Seniorchef Martin Röther und die Geschäftsführer Thomas Röther und Fabian Messner sprechen über die Geschichte und Zukunftspläne des familiengeführten Modepark Röther.
Seniorchef Martin Röther und die Geschäftsführer Thomas Röther und Fabian Messner sprechen über die Geschichte und Zukunftspläne des familiengeführten Modepark Röther.

Michelfeld, 28. Januar 2026 – Vor 30 Jahren fällte Martin Röther eine mutige Entscheidung: Mit seinem 1972 als Jeansladen gegründeten Modegeschäft zog er 1996 aus der Innenstadt von Schwäbisch Hall hinaus auf die „grüne Wiese“ ins entstehende Gewerbegebiet im Michelfelder Kerz. Damit begann eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die nun seit drei Jahrzehnten anhält. Im Interview schaut der Firmengründer zurück auf die schwierigen Anfänge, während die Geschäftsführer Thomas Röther und Fabian Messner die aktuelle Situation des Modepark beleuchten.​

Herr Röther, aus welchem Grund und mit welcher Vision haben Sie 1996 im Michelfelder Kerz den Modepark Röther neu eröffnet? 

Martin Röther: Natürlich war das damals ein unternehmerisches Risiko. Wir wussten nicht, ob die Idee gut angenommen wird. Aber die Stadt Schwäbisch Hall war damals schlicht zu eng geworden. Samstags ließ der Umsatz nach, unter anderem weil sich die Rahmenbedingungen geändert hatten: Die Fußgängerzone wurde eingeführt, Parkplätze in der Innenstadt fielen weg und das zuvor kostenlose Parken war plötzlich nicht mehr möglich. Gleichzeitig hatte sich das Textilgeschäft stark gewandelt. Das Sortiment wurde breiter, vielfältiger – dafür brauchte man Platz. Wir hatten damals bereits rund 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, waren also kein kleiner Laden, aber es reichte einfach nicht mehr. Wir wollten ein modernes, großzügiges Modehaus schaffen, das Auswahl, Service und attraktive Preise vereint. Etwas, das es in dieser Form in der Region noch nicht gab

Sie haben zunächst versucht, in der Stadt zu bleiben? 

Martin Röther: Ja, mehrfach. Ich habe immer wieder bei der Stadt angefragt, weil wir wachsen wollten. Aber es gab kein echtes Interesse, uns dabei zu unterstützen. Zwei Bewerbungen um das Gebäude der Landeszentralbank sind gescheitert. Irgendwann war klar: Wenn die Stadt Schwäbisch Hall nicht die Weichen stellt für ein Unternehmen, das wachsen will, dann müssen wir an einem anderen Standort schauen, dass wir vorwärtskommen können.

Dieser Weg führte schließlich nach Michelfeld – allerdings nicht ohne Widerstände und Zweifler.

Martin Röther: Ganz und gar nicht. Zunächst musste beim Regierungspräsidium in Stuttgart geklärt werden, ob wir als Textilunternehmen im Gewerbepark ansässig werden dürfen. Das Regierungspräsidium wollte die Genehmigung vom Haller Gemeinderat. Der erteilte sie tatsächlich – allerdings eher nach dem Motto: „Jetzt haben wir dem Röther in der Innenstadt alles verwehrt. Lasst ihn machen, der geht da draußen sowieso bankrott.“ Und selbst unser Branchenverband hat uns gewarnt. Alle meinten, wir würden mit unserem Vorhaben scheitern.

Das Gegenteil war der Fall?

Thomas Röther: Ja, schon die Eröffnung war überwältigend. Wir wurden regelrecht überrannt. Viele Kunden, die wir in der Innenstadt verloren hatten, kamen zurück und waren dankbar: kostenlose Parkplätze, gute Erreichbarkeit, ein großes Sortiment. Gleich am dritten Tag nach der Eröffnung haben wir die erste bauliche Erweiterung beantragt.

Es folgten Expansionen nach Aalen und Heilbronn – erneut nicht ohne Widerstände? 

Martin Röther: Wir hatten am Anfang in allen Städten mit Gegenwind zu kämpfen. In Aalen war es besonders schwierig. Dort hieß es sogar, wir hätten Schwäbisch Hall kaputt gemacht. Aber am Ende wollte die Bevölkerung unser Angebot. Mittlerweile hat sich das Bild komplett gedreht. Die Verantwortlichen haben erkannt, dass wir ein starkes Zugpferd für ihre Einkaufsstätten sind.

Mittlerweile hat Modepark Röther in Deutschland und Österreich insgesamt 55 Filialen. Wann war für Sie klar: Das Konzept funktioniert? 

Thomas Röther: Das war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Aber relativ früh haben wir gemerkt, dass das Konzept trägt. Und dann kam die Überlegung: Wenn das hier funktioniert, warum nicht auch anderswo?

Gibt es Meilensteine, die hierbei besonders prägend waren? 

Thomas Röther: Die Revitalisierung eines Einkaufszentrums in Magdeburg 2011 war ein solcher Moment. Das Objekt stand kurz vor dem Aus. Mit unserem Einstieg kam wieder Bewegung hinein, es gab wieder einen optimistischen Blick in die Zukunft – später folgten große Marken. Das hat uns gezeigt, dass wir auch schwierige Standorte entwickeln können.

Wie beurteilen Sie aktuell insgesamt die Lage des stationären Modehandels? 

Fabian Messner: Nach der Corona-Pandemie, die ja ein großer Einschnitt war, sind die Kunden zunächst zurückgekommen, die Umsätze haben sich erholt. Aktuell spüren wir allerdings eine allgemeine Konsumzurückhaltung. Das liegt an der wirtschaftlichen Unsicherheit.

Martin Röther: Die politische und mediale Panikmache spielt dabei eine große Rolle. Viele Menschen hätten Geld, sind aber verunsichert. Gespart wird beim Konsum.

Dennoch ist Ihr Unternehmen weiter auf Wachstumskurs?

Fabian Messner: Unser Geschäftsmodell ist über Jahre gewachsen und stabil. Wir expandieren weiter, im vergangenen Jahr wurden drei neue Standorte eröffnet. Auch in diesem Jahr wird Expansion weiter ein Thema sein, wenngleich sich der Fokus etwas verschiebt. Er liegt momentan stark auf der Integration der Adler-Märkte. Mit der Übernahme von über 120 zusätzlichen Filialen haben wir eine ganz neue Größenordnung erreicht.

Wie sieht die Entwicklung seit der Adler-Übernahme aus? 

Fabian Messner: Die Übernahme ist jetzt circa 1,5 Jahre her. Seitdem haben wir viele Projekte gestartet, um diesen Filialisten, der über Jahre wenig Investition erfahren hat, wieder zukunftssicher und fit zu machen. Letztlich geht es hauptsächlich darum, in die Standorte zu investieren, die über Jahre keinen neuen Ladenbau bekommen haben. Das ist sicherlich mit das größte Thema. Zudem arbeiten wir daran, hier am Standort in Michelfeld künftig eine ganz andere Zentralstruktur aufzubauen. Alle Funktionen wie Personal, Finanzbuchhaltung, IT oder der Einkauf sollen hier vor Ort gebündelt werden, auch für Adler. Und da sind wir jetzt schon seit über einem Jahr dran, manche Bereiche wie Marketing, Facility und Vertrieb sind bereits komplett zusammengelegt und hier vor Ort. Und das ist natürlich jetzt auch für diesen Standort das Entscheidende: die Zentralstruktur nachhaltig aufzubauen, die Teams so aufzustellen, dass sie eben beide Konzepte – Modepark und Adler –für die Zukunft auch stemmen und weiterentwickeln können.

Welche Rolle spielt Adler künftig im Unternehmen? 

Fabian Messner: Wachstum ist im Textileinzelhandel essenziell. Adler wird umfassend modernisiert – baulich, strukturell und im Sortiment. Wichtig ist dabei: Adler bleibt Adler, Modepark bleibt Modepark.

Thomas Röther: Die Zielgruppen unterscheiden sich klar. Der Modepark richtet sich an die ganze Familie, Adler an die „erwachsene Familie“. Wir modernisieren Adler behutsam, ohne den Kern zu verlieren. Erst vor kurzem haben wir eine Pilotfiliale, unsere Vision von „Adler 2.0“ eröffnet. Das Ziel sind freundliche und moderne Geschäfte.

Sie haben sich vor geraumer Zeit bewusst aus dem Onlinehandel zurückgezogen. Warum? 

Fabian Messner: Mit unserem breiten Markensortiment war Onlinehandel wirtschaftlich nicht darstellbar. Stattdessen investieren wir gezielt in Digitalisierung: App, Social Media, digitales Marketing, digitale Elemente in den Filialen. Online und offline müssen zusammenspielen.

Thomas Röther: Gegen Amazon, Zalando, Temu oder Shein brauchst du als örtlicher Modehändler nicht antreten.

Was setzen Sie diesen Fast-Fashion-Anbietern aus dem Internet entgegen? 

Fabian Messner: Das Einkaufserlebnis ist extrem wichtig. Menschen verbringen hier mehrere Stunden mit der Familie. Dafür braucht es Atmosphäre. Deshalb investieren wir regelmäßig in neue Ladenkonzepte, Licht, Boden, Einrichtung. Im Schnitt erneuern wir unsere Filialen alle fünf bis sieben Jahre komplett. Und unsere Erlebnisformate werden sehr gut angenommen: VIP-Shopping, Freundinnen-Shopping, exklusive Events – sie alle sind immer gut besucht. Das zeigt uns, dass persönliche Ansprache und Aufenthaltsqualität immer wichtiger werden.

Wie fällt denn ihr Blick auf die kommenden fünf Jahre aus? 

Fabian Messner: Auf jeden Fall positiv! Unser zentrales Thema für den weiteren Erfolg ist die Unternehmenskultur: Verantwortung, Gestaltungsspielraum und Freude an der Arbeit. Wenn das gelingt, entsteht eine Dynamik, die Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen anzieht. Unter dem Leitsatz ‚Mach alles, was du tust, mit Freude‘ wollen wir in den nächsten fünf Jahren nicht nur gesund wachsen und Arbeitsplätze sichern, sondern auch das Einkaufserlebnis für unsere Kunden stetig weiterentwickeln. Denn wir sind überzeugt, Erfolg ist dann nachhaltig, wenn er mit Leidenschaft und Begeisterung erreicht wird.

Und Ihr persönlicher Wunsch, Herr Röther? 

Martin Röther: Dass es weitere 50 Jahre gut weitergeht – für die Kinder und die Enkel. Jammern hilft nicht. Man muss anpacken.